Nächtliches

Leichte bis Schwere Nacht-Geschichten mit Making-of-Anhaftungen …

Antworten, oder:
kollektive Spontanmethode

zur posthumen Beseitigung von Einsamkeit in 10 Bildern

01 Trafik

Jeden Morgen um dieselbe Zeit ging G. in die Trafik, in der die beiden Stammkunden der Trafikantin, die zwei kleine Hunde besaß, die sie mehrmals am Tag auf der Straße spazieren führte, links vom Eingang in der Ecke des engen, dämmrigen, mit Zeitschriften und Zigarettenpackungen bis zum Plafond austapezierten Geschäftslokals auf Plastikhockern saßen, die nächste Zigarette an der Glut der vorigen anzündeten und dazu mitgebrachte Wurstsemmeln aßen.

„Wie geht es Ihnen heute?“, fragte die Trafikantin.
„Danke, man lebt. Und selbst?“, antwortete G.
„Danke, auch“, sagte die Trafikantin.
G. nahm seine Zeitungen, grüßte und ging … # weiterlesen

Nachtleben

Sie sitzt bei mir mit gekämmten Haaren und glänzendem Gesicht. Zu keiner Zeit habe ich den Entschluss gefasst,
ihr nicht alles zu sagen.

Sie lässt mir die Hand nie lange. Streiche ich über die Knöchel, spüre ich schon, wie sie sich zusammennehmen muss.
Am liebsten taste ich die kleinen Wülste um den Ring. Aber ich hebe mir das auf, denn sie entzieht sich mir, sobald mein Finger über das Metall gleitet.

Sie muss dann aufspringen und mich nötigen, mich nach vorn zu beugen, damit sie meine Kissen aufschütteln kann. Es sind drei, die sie eines nach dem anderen packt, hochreißt und so nahe an meinem Ohr klopft, dass neben mir die Granate von neuem detoniert … # weiterlesen

Gewohnheitstieropfer

Mir ist mein Name entfallen, vorübergehend, wie ich hoffe.

Ich erinnere mich nur, wie unendlich ich mich gefühlt habe, als ich den Urlaub noch Ferien nannte.

Inzwischen ahne ich das Ende schon beim Auspacken. Da hilft es auch nichts, wenn man zu mir sagt: Wie Sie benannt worden sind, wird Ihnen schon wieder einfallen. Oder: Ihre Zeit wird schon noch kommen, später oder früher, Sie werden schon noch sehen.

Solange werde ich weiter  meinem vor einer halben Ewigkeit fürs Erste ergriffenen Beruf nachgehen. Klumpt sich die vom Beruf verdunkelte Zwischenzeit zum Urlaub zusammen, machen sich meine Erwartungen mit mir auf. In eine Gegend namens Ferienregion mit See, an dem ich das immer selbe Zimmer in einer Hotelpension mit theoretisch Seeblick miete, praktisch die Sicht auf eine eben fertig gestellte Umfahrungsstraße auch nicht übel finde, weil der Autolärm mir Meeresrauschen ist und in der Ferne Berge blitzen, deren Spitzen wie Fangzähne schimmern … # weiterlesen